ShapeUp: Mann oh Mann – bist Du schlecht dran!

Ein Artikel aus dem ShapeUp-Magazin.

Copyright: Andres Rodriguez - Fotolia.de

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Deutschland hat europaweit die höchsten Gesundheitsausgaben, die meisten Krankenhausbetten und eine der höchsten Arztdichten – aber die deutschen Männer sind in punkto Gesundheit nur Mittelmaß. Sie sterben fünf Jahre früher als deutsche Frauen und sind die letzten 20 Jahre ihres Lebens nicht mehr gesund. Die meisten merken es nicht einmal, denn sie schätzen ihren Gesundheitszustand völlig falsch ein. Dabei senden die Statistiken ein Warnsignal nach dem anderen: Deutsche Männer leben zwar im Schnitt 77,7 Jahre, sind aber nur 58 Jahre lang gesund. Zwischen 45 und 60 sterben in Deutschland dreimal mehr Männer am Herzinfarkt als Frauen. Die Herztod-Rate deutscher Männer ist fast doppelt so hoch wie die ihrer Schweizer Artgenossen.


Schweizer Männer werde älter und bleiben länger gesund
In den vergangenen 35 Jahren ist die Lebenserwartung der Europäer um fast sechs Jahre gestiegen. Deutsche Männer haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 77,7 Jahren und leben damit gut fünf Jahre kürzer als deutsche Frauen. Europäischer Spitzenreiter sind die Schweizer Männer mit 79,1 Jahren Lebenserwartung, während ihre Geschlechtsgenossen in Litauen und Lettland mit gut 65 Jahren sehr viel früher sterben.

Blickt man nun aber auf die Jahre, die Männer voraussichtlich in guter Gesundheit leben, verschiebt sich das Bild: Hier steht Deutschland mit etwa 58 Jahren im europäischen Vergleich ziemlich schlecht da, nur die baltischen Männer und ihre Geschlechtsgenossen aus Ungarn, Finnland und der Slowakei haben weniger gesunde Lebensjahre zu erwarten. Auch in dieser Hinsicht sind die Schweizer Männer Vorbild: Heutigen Prognosen zufolge werden sie ihr 79- jähriges Leben weitgehend gesund verbringen.
Männer schätzen ihren Gesundheitszustand falsch ein
Die Mehrheit der Bevölkerung in den EU-Staaten schätzt ihre Gesundheit selbst als gut oder sehr gut ein. So empfinden sich 82,9 Prozent der Iren als gesund, während es in Portugal 49 Prozent sind. Und 65,2 Prozent der deutschen Männer glauben gesund zu sein. Damit schätzen sie ihren Gesundheitszustand etwas besser ein als die deutschen Frauen – fälschlicherweise.
„Das ist eine Fehleinschätzung! Zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr sterben beispielsweise drei Mal so viele Männer an einem plötzlichen Herztod wie Frauen“, sagt Professor Dr. Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. (DGMG) und Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Hierzu hat Sommer eine epidemiologische Studie mit 20.000 Männern für die DGMG durchgeführt. In diesem Rahmen wurden 1.423 Männer zusätzlich nach der Einschätzung ihres Gesundheitszustandes befragt.

➝ Bei den 40- bis 49-jährigen Männern beschrieben 88 Prozent ihren Gesundheitszustand als ausgezeichnet beziehungsweise gut. Die Nachuntersuchung zeigte jedoch, dass über 50 Prozent dieser Männer mit ihrer Einschätzung falsch lagen.
➝ Auch bei den 50- bis 59-Jährigen bezeichneten 81 Prozent der Männer ihren Gesundheitszustand als gut beziehungsweise ausgezeichnet. Bei den Untersuchungen wurden allerdings bei über 65 Prozent dieser Gruppe signifikante Erkrankungen festgestellt.
➝ Bei den 60- bis 69- jährigen Männern gaben 63 Prozent einen ausgezeichneten beziehungsweise guten Zustand an. Auch hier zeigten die entsprechenden Untersuchungen, dass 70 Prozent dieser Männer sich falsch eingestuft hatten.

Wie gesund sind deutsche Männer wirklich?
Wie gesund aber verhalten sich die deutschen Männer tatsächlich? In punkto Rauchen liegen sie mit einem Anteil von 26,4 Prozent europaweit im Mittelfeld. Spitzenreiter in der EU ist Griechenland, wo 38 Prozent aller Männer rauchen, gefolgt von Estland und Ungarn. Die schwedischen Männer rauchen mit einem Anteil von knapp 14 Prozent am seltensten. Die Folgen: Bei europäischen Männern ist Lungenkrebs (26 Prozent) die häufigste Krebsart mit Todesfolge, gefolgt von Dickdarm-, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs (10,2 Prozent). An Lungenkrebs starben 2011 in Deutschland knapp 30.000 Männer und gut 14.000 Frauen.

Ein weiterer Risikofaktor ist das Übergewicht. Insgesamt gelten 14 Prozent der EU-Bürger als stark übergewichtig (adipös), haben also einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 (kg/m2). Unter deutschen Männern sind es 16,1 Prozent. Die dicksten Männer leben in Malta (24,7 Prozent), Großbritannien (22,1) und Ungarn (21,4). Übergewicht, verbunden mit Bewegungsmangel, ist Ursache der meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kein Wunder, dass der Herzinfarkt noch vor Lungenkrebs die häufigste Todesursache unter deutschen Männern ist: Pro 100.000 Einwohner sterben daran 412 Männer (Schweiz: 214, Rumänien: 618).

Beim Alkoholkonsum sind die Europäer mit durchschnittlich elf Litern reinen Alkohols pro Bürger und Jahr sogar weltweit Spitze. Während jedoch die Südeuropäer immer seltener zur Flasche greifen, ist der Konsum alkoholischer Getränke in Deutschland seit vielen Jahren anhaltend hoch. Jeder Deutsche über 15 Jahre trinkt laut Statistik 11,8 Liter reinen Alkohols pro Jahr. Das entspricht etwa 500 Flaschen Bier. Männer trinken dabei mehr als doppelt so viel wie Frauen. Auch das spiegelt die Todesstatistik wider: Von den gut 14.500 Deutschen, die 2012 in Folge ihres Alkoholmissbrauchs starben, waren knapp 11.000 männlich.

Den kompletten Bericht und ein Interview mit Frank Sommer, dem Professor für Männergesundheit, finden Sie in shape UP fitness September/Oktober – jetzt in vielen Fitnessstudios oder unter www.shapeup-magazin.de/einzelhefte-bestellen.html

 

Mit freundlicher Genehmigung des ShapeUp-Magazins. Vielen Dank!

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